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Die Annäherung an die Familie: Das Leben nach der Schahada

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An alle neuen Muslime da draußen: Herzlich Willkommen im Islam! Möge Allah euch belohnen, leiten und euch in Seiner Religion und auf eurer Reise über die Schahada hinaus standhaft machen.

Eines der häufigsten Schwierigkeiten für neue Muslime ist es, wie man sich Familienmitgliedern mit der Nachricht annähert, dass man den Islam angenommen hat. Das ist immer ein schwieriges Thema, zumal bei jedem die Situation unterschiedlich ist. Es gibt also keinen idealen Lösungsansatz. Ich möchte jedoch einige Punkte vorschlagen, die Du im Hinterkopf behalten solltest, die Dir helfen können, wenn Du das Gespräch beginnst.

Erzähle es ihnen dann, wenn Du Dich bereit fühlst

Einige wollen es ihren Familien sofort mitteilen, andere wiederum empfinden das Bedürfnis zu warten. Beide Wege sind in Ordnung. Sogar unter den Gefährten des Propheten Muhammad (Friede und Segen sei mit ihm) verkündeten einige Menschen ihren Islam sofort ihren Familien, während andere ihren Glauben geheim hielten, bis sie das Gefühl hatten, dass die Zeit reif war. Welchen Weg Du einschlagen solltest, hängt von Deiner individuellen Situation ab.

Zum Beispiel warten einige neue Muslime erst ab, bevor sie es ihren Familien sagen, bis sie sich in ihrem Glauben fester und sachkundiger fühlen. Somit werden sie zu gegebener Zeit besser in der Lage sein, um auf ihre Fragen und Anliegen zu antworten. Andere, die wissen, dass ihre Familie negative Ansichten über den Islam vertritt, werden versuchen, einige negative Klischees abzubauen und ihr Verständnis von der Religion zu mildern, bevor sie ihnen von ihrer Bekehrung erzählen. Auf der anderen Seite entscheiden sich einige Personen dafür, während ihres Übertritts zum Islam völlig offen mit ihren Familien umzugehen. Sie empfinden es nicht als Notwendig das Gespräch mit ihnen zu verschieben.

Du kennst Dich und Deine Familie am Besten, also überlege Dir, welcher Ansatz für Dich am geeignetsten ist und teile es ihnen mit, wenn Du dazu bereit bist.

Versuche sie nicht zu überfordern

Denke daran, dass, während Du die Schahada bereits für einige Zeit in Betracht gezogen hast, die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass dies alles für Deine Familie ziemlich unerwartet sein wird. Obwohl Du zwar sehr aufgeregt und glücklich darüber bist, den Islam angenommen zu haben, solltest Du versuchen nicht zu energisch zu sein, wenn Du ihnen die Nachricht überbringst. Die Art und Weise wie Du mit dieser Situation umgehst, wird einen enormen Einfluss darauf haben wie Deine Familie Dich und Deinen Islam in Zukunft wahrnimmt. Also nähere Dich ihnen mit Sorgfalt und Rücksicht.

Hier sind einige mögliche Ansätze, die du in Betracht ziehen könntest:

Wenn Du Dir nicht sicher bist, was sie im Allgemeinen vom Islam halten, kannst Du versuchen, ihn beiläufig im Gespräch zu erwähnen, um die Wasser zu prüfen. Dies kann Dir helfen, festzustellen, ob sie für die Neuigkeiten bereit sind und es kann auch eine Gelegenheit bieten, im Voraus einige Missverständnisse zu klären, die sie über die Religion haben könnten.

Wenn Du Dich endlich bereit fühlst, denk daran, dass Du es nicht jedem auf einmal sagen musst. Du kannst mit einem Familienmitglied beginnen, jemand, dem du nahestehst, der vielleicht verständnisvoll und bereit ist, zuzuhören.

Erläutere dieser Person deine Situation und beobachte, wie sie reagiert. Wenn das Gespräch nicht so läuft, wie Du es Dir erhofft hast, kannst Du in Zukunft einen anderen Ansatz ausprobieren. Wenn das Gespräch gut läuft, hast Du eventuell sogar einen Unterstützer, wenn Du es dem Rest Deiner Familie mitteilst.

Wenn Du mit Deiner Familie über Deinen Islam sprichst, versuche ihnen nicht zuviel auf einmal aufzubürden.

Hier ein Beispiel dafür, was Du nicht sagen solltest:

„Mama und Papa, ich möchte, dass ihr wisst, dass ich beschlossen habe, Muslim zu werden. Ich möchte euch auch wissen lassen, dass ihr mir von nun an Halal-Fleisch kaufen und bitte den Speck aus dem Haushalt entfernen müsst. Ihr solltet auch wissen, dass mein neuer Name Asadullah Hamza Abdul Khaliq ist und ich von nun an nur noch auf diesen Namen reagieren werde. Ich möchte auch, dass ihr wisst, dass ich meinen Bart auf Faustlänge wachsen lassen werde. Außerdem solltet ihr von diesen wissenschaftlichen Wundern im Koran wissen, die zweifellos beweisen, dass dies das Wort Allahs ist. Ich möchte euch auch wissen lassen, dass ich in zwei Wochen heiraten werde, hier ist eure Einladung. Ich möchte auch, dass ihr wisst….“

Mach das nicht! Mach das nicht! Mach das nicht!

Allein, dass Du Muslim wurdest, wird für sie schockierend genug sein und es wird Zeit benötigen, um sich darauf einzustellen. Mache es ihnen so einfach wie möglich, ohne dabei Deinen Islam zu vernachlässigen. Was Dawah anbelangt, bist Du vielleicht sehr darauf gespannt diese schöne Lebensweise mit Deiner Familie zu teilen, aber dies ist möglicherweise nicht die beste Zeit. Abgesehen von der Tatsache, dass Du immer noch selbst lernst, sind sie vielleicht nicht sehr empfänglich dafür, da sie immer noch Deine Konvertierung verarbeiten. Wenn Du versuchst, ihnen den Islam aufzudrängen, kann das tatsächlich den gegenteiligen Effekt auslösen, indem Du sie vollständig vor der Religion abschreckst und Deiner Beziehung zu ihnen Schaden zufügst, dessen Wiederherstellung lange Zeit in Anspruch nehmen kann. Wenn sie Dir Fragen über den Islam stellen und sie gerne mehr über Deinen Glauben erfahren möchten, ist das natürlich toll und Du solltest sie auf alle Fälle beantworten. Aber nimm eine einfache Frage nicht als Anreiz für einen 30-minütigen Vortrag.

An dieser Stelle ist der beste Weg, sie über den Islam aufzuklären, Dein eigenes Vorbild. Sei geduldig, liebevoll und verständnisvoll. Allah sagt uns im edlen Koran:

„Und dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur Ihm dienen und zu den Eltern gütig sein sollt. Wenn nun einer von ihnen oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sag nicht zu ihnen: “Pfui!” und fahre sie nicht an, sondern sag zu ihnen ehrerbietige Worte.“ [Edler Koran 17:23]

Wenn du mit Deiner Familie über Deinen Islam spricht, ist es wichtig, nicht in Auseinandersetzungen zu geraten. Dies kann kompliziert werden, da Du das Gefühl bekommen könntest, dass Deine Überzeugungen in Frage gestellt werden, Dein Urteilsvermögen angezweifelt wird und Dein Standpunkt ignoriert wird. Du musst jedoch bedenken, dass dies keine Debatte ist und es geht nicht darum, zu beweisen, dass Du im Recht bist. Dies ist eine gute Gelegenheit den Islam in die Praxis zu implementieren.

Sei geduldig

Unterhalte Dich mit ihnen und versuche auf ihre Fragen einzugehen. Aber wenn sie frustriert und argumentativ werden, darfst Du es nicht als eine Freikarte sehen, ihnen auf diesem Weg zu folgen. Bewahre eine ruhige Grundhaltung und wenn die Gefühlslage zu hoch wird, mache höflich eine Pause.

Sei liebevoll

Zeige ihnen die Gnade und die Barmherzigkeit, die der Islam lehrt. Erinnere sie daran, dass Du ein Teil der Familie bist und dass Du sie liebst. Sei immer freundlich und respektvoll und schenke ihnen viele Umarmungen.

Sei verständnisvoll

Bemühe Dich, um ihre Sichtweise der Dinge zu verstehen, auch wenn sie Dir nicht die gleiche Rücksicht entgegenbringen. Erkenne, dass sie den Islam zumindest im Moment nicht so sehen wie Du, und sie könnten ernsthaft über diese Veränderung besorgt sein. Also, gib dein Bestes, um sie während dieses Prozesses zu erleichtern.

Sei Muslim, aber sei Du selbst

Versuche ihnen zu vermitteln, dass Muslim zu werden nicht bedeutet, dass Du ein völlig anderer Mensch werden wirst. Während Du zwar gewisse Veränderungen in Deinem Leben vornimmst, werden die meisten Aspekte an Dir gleich bleiben. Also hilf ihnen das zu verstehen. Erlaube nicht, dass die Diskussion über den Islam alle Deine familiären Interaktionen dominiert. Du hast vielleicht nicht das Gefühl, dass es häufig passiert, aber sie empfinden es vielleicht anders. Verbringe Zeit mit Deiner Familie, um über Themen zu reden und Dinge zu tun, die Du auch normalerweise tun würdest, ohne die Religion zu erwähnen. Wenn Deine Familie jedoch unangemessene Forderungen stellt und sie Dich bittet, Dinge zu tun, die Du unangenehm findest, dann gefährde Deinen Islam nicht, um ihnen zu gefallen. Wie Allah im Koran sagt:

„Und Wir haben dem Menschen anbefohlen, seine Eltern mit Güte zu behandeln. Wenn sie sich aber darum bemühen, daß Du Mir das beigesellst, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht. Zu Mir wird eure Rückkehr sein, da werde Ich euch kundtun, was ihr zu tun pflegtet.“ [Edler Koran 29:8]

Wenn Deine Familie Dich also darum bittet etwas zu tun, das im Widerspruch zu Deinen grundlegenden Überzeugungen als Muslim steht, wie beispielsweise Götzendienst oder das Verlassen des Gebets, dann erkläre respektvoll, dass dies kein Kompromiss ist, den Du eingehen kannst. Sie können über bestimmte Dinge streiten, sie können Dir sagen, dass Du unfair, unvernünftig, unflexibel bist, sie können versuchen, Dir ein schlechtes Gewissen zu machen, weil Du sie verärgert hast. Zeige ihnen, dass Du ihre Gefühle verstehst, du aber Deinem Glauben treu bleibst. Hoffentlich wird ihre Akzeptanz mit der Zeit zunehmen.

Gib ihnen Zeit

Zu Beginn mag es den Anschein haben, dass sie Dich nie als Muslim akzeptieren werden, aber die Zeit kann einiges verändern. Es kann eine Weile dauern, vielleicht ein paar Jahre, nur um zu akzeptieren, dass Du wirklich ein Muslim bist und dass dies nicht nur eine Phase ist, die Du durchmachst. Es könnte sogar noch länger dauern, bis sie Deinen Islam als etwas Normales sehen und erkennen, dass der Islam tatsächlich gut für Dich war und dass er Dich zu einem besseren Menschen gemacht hat.

Also denk daran, dass Du nicht allein bist. Es gibt viele Konvertiten da draußen, die die gleichen Probleme wie Du durchlaufen und viele, die es bereits durchgemacht haben und gesehen haben, wie die Dinge trotz der schwierigen Anfänge mit der Zeit so viel besser wurden. Also noch einmal: Sei geduldig. Erhoffe Dir nicht, dass das alles in ein oder zwei Tagen vorbei ist, aber vertraue darauf, dass die Dinge besser werden können und werden. Möge Allah Dich segnen und Dir die Angelegenheiten erleichtern. Möge Er Deine Familie mit Rechtleitung segnen und möge Er die Familien aller Konvertiten leiten. Amiin.

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